Indische Musikinstrumente: über 30 exotische Varianten

Es gibt viele indischen Musikinstrumente, wobei die wenigsten von ihnen Tasten besitzen. Manche Flöten haben zwei Rohre, eine Trommelart wird mit Echsenhaut bespannt. Und einige spezielle Laute wird mit 2 Kürbissen auf dem Boden aufgestellt.

Schlaginstrumente / Trommeln

Alghoza

Ein Musiker spielt auf seinem Alghoza-Instrument. Indische Musikinstrumente im Überblick

Das Instrument ist in Nordindien und Pakistan verbreitet und besteht traditionellerweise aus Bambus-Holz.

 

Ziemlich ungewöhnlich: eine einzige Alghoza besteht aus 2 Flöten. Die beiden Röhren sind oft angewinkelt, können aber auch parallel zueinander verlaufen. Die Länge der Röhren sind meist identisch, aber nicht immer.

Sie haben jeweils unterschiedliche Funktionen. Die eine erzeugt hohe Töne, die andere tiefere. Das Instrument besitzt also ein Alt- und ein Sopranrohr. Inder und Pakistani sagen auch einfach „männlich“ und „weiblich“ dazu.

 

In ländlichen Gebieten läutet der Klang der Alghoza die Ernte ein. Auch in der Volksmusik kommt das indische Musikinstrument zum Einsatz. Ihr Klang besitzt eine weite Distanz.

 

Man kann das Instrument nur zweihändig spielen, da es 2 Rohre besitzt. Der kleine Finger und der Daumen wird meist ausgelassen.

 

Vielleicht wurde die Alghoza in Persien erfunden, ehe sie von Reisenden weiter im Osten Verwendung fand. Oder sie hat ihren Ursprung in Ägypten. Sicherlich ist es ein sehr altes Instrument und schon etwa 10 000 Jahre alt.

Idakka: Indische Musikinstrumente sind oft Trommeln

Die Sanduhrtrommel ist vorwiegend in Südindien verbreitet. Beim Spielen wird sie mit der Hand gehalten und mit einem dünnen, gebogenen Holzstock angeschlagen. Um die Tonhöhe zu manipulieren, muss der Spieler das Membran anspannen oder wieder locker lassen. Zu diesem Zweck muss er die Schnürung in der Mitte zusammendrücken bzw. loslassen.

 

Das Perkussionsinstrument besitzt an beiden Seiten Felle, das eine davon aus Kuhhaut.

 

Die Idakka wird zur Begleitung von Volkstänzen verwendet oder in hinduistischen Tempeln. Man hängt sie während dem Spielen über die linke Schulter.

Indische Musikinstrumente als Vase: Das Ghatam

Eine Frau steht vor einer ganzen Reihe von Ghatam-Instrumenten.

Ein großer Tontopf, meist in rötlicher/bräunlicher Farbe gehalten, es gibt auch gelbe Ghatam-Modelle. Ein Ghatam ist etwa einen Drittel Meter lang.

 

Der Durchmesser des Bauchtopfes ist deutlich weiter als der Ausgang/die Öffnung. Die Tonhöhe hängt von der Art des Tones und der Größe des Gefäßes ab. Aufgrund der Größe eines Ghatams glaubt man erst gar nicht, es handle sich nur um ein Perkussionsinstrument. Aber weshalb schon sollten Ton-Töne in den Vordergrund von Musik treten?

 

Bei einem guten Ghatam ist die Wanddicke gleichmäßig dick.

 

Der Topf wiegt insgesamt etwa 5 Kilogramm. Man stellt ihn auf einen gepolsterten Stoffring, da der Bauch unten abgerundet ist. So zeigt die Öffnung seitlich in Richtung Himmel.

 

Indische Musikinstrumete, die mit den Finger angeschlagen werden – da zählt der Ghatam dazu.

Maddale

Die Maddale ist im westindischen Bundesstaat Karnataka bekannt. Die indischen Musikinstrumente sind mit dem Mridangam verwandt.

 

Es handelt sich um eine zweiseitige Trommel. Die beiden Membrane sind mit Riemen miteinander verbunden.

 

Der Körper der Maddale besteht meist aus Jagdfruchtholz.

 

Das Instrument ist stimmbar. Die Bearbeitung des Hautrings ist möglich, ebenso wie die Verschiebung der Holzpflöcke.

Chande

Dieses Schlaginstrument ist im Südwesten von Indien verbreitet. Die beiden Enden der Chande sind mit dicken Sailen miteinander verbunden, wobei es nur eine Spielfläche gibt.

 

Das Membran besteht aus Leder. Zum Anschlagen verwendet man zwei Schlägel.

Tabla Tarang: Indische Musikinstrumente aus Holz/Metall + Leder

Tabla Tarangs sind traditionelle indische Musikinstrumente.

Zum Spielen werden mehrere Tabla Tarangs mit jeweils unterschiedlichen Tonhöhen verwendet. Ihre Korpusse bestehen wahlweise aus Holz oder seltener aus Metall.

 

Tabla Tarang Trommeln sind ziemlich klein. Sie können sie auf einen Tisch gestellt werden. Viele Modelle besitzen einen abgerundeten Korpus. Der Tabla Tarang wird oft auf einen gepolsterten Stoffing gelegt.

 

Die indischen Musikinstrumente haben fast keine Geschichte. Man weiß auf jeden Fall, dass das Tabla Tarang im 19. Jahrhundert in Westindien auftauchte. Mittlerweile ist es auch in anderen Teilen der Welt bekannt.

 

Die vielen möglichen Tonhöhen machen ein solches Instrumentenset ziemlich interessant und einzigartig. Man muss aber auf die passende Stimmung achten.

Mridangam

Eine sehr alte Trommel. 4,000 Jahre alte Wandmalereien deuten darauf hin, dass die Mridangam schon zu Urzeiten bekannt war.

 

Sie hat 2 Membrane, die mit Bändern miteinander verknüpft sind. Manche Modelle sind nochmals mit einer Abdeckung versehen.

 

Ungewöhnlich für 2-saitige Trommeln: Viele Spieler schlagen mit den Händen auf beiden Spielflächen. Sie müssen die Hände also etwas auseinander halten. Ander verwenden Lederseile.

 

Die Membrane unterscheiden sich von ihrer Größe. Die Spielfläche ist auch nicht wie bei anderen Trommeln homogen, sondern hat in der Mitte so genannte Knotenkreise. 

Kanjira

Eine Perkussions-Trommel, ziemlich tief und basslastig. Sie besteht optimalerweise aus Echsenhaut, heute wird auch Ziegen- oder Fischhaut verwendet. Die Kanjira ist nur 5 oder 6 Zentimeter hoch, die Spielfläche hat einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern.

Indische Musikinstrumente: Beim Harmonium spielt man auf Tasten

indische_musikinstrumente_harmonium

Zählt wie die Orgel zu den Aerophonen, ist aber kleiner als das Klavier. Beim Anschlagen der Tasten wird der Ton mittels Luftstöße erzeugt, die die Durchschlagzungen anregen.

 

Das Harmonium zählt gar nicht zu den indischen Musikinstrumenten. Während Indien eine britische Kolonie war, brachten es christliche Missionare ins Land, die den Menschen die Kirchenmusik mit den orgelähnlichen Klängen des Harmoniums näher bringen wollten.

 

Das indische Harmonium unterscheidet sich etwas vom europäischen. Es gibt verschiedene Variationen, die von Dwarkin & Son entwickelt wurden. Interessanterweise erfand Dwarkanath Gose das indische Harmonium 1875 – im selben Jahr, als die Firma gegründet wurde.

Es ist nur eine einzige Hand zum Spielen frei. Mit der anderen wird der Blasebalg gepumpt, also die Pedale des Harmoniums.

Viele Inder sind nicht begeistert vom Harmonium. Auf manchen Kanälen ist es verboten, Musik zu senden, in denen das Harmonium vorkommt.

Indische Musikinstrumente: Die Blasvarianten

Kuzhal

Wird im südindischen Bundesstaat Kerala zu religiösen Zeremonien verwendet. Der Ton einer Kuzhal wird als sehr schrill wahrgenommen. 

 

Die meisten Kuzhals sind etwa einen Drittel Kilogramm schwer und nicht mehr als 10 cm lang. Die Noten F und H fehlen meist. Es gibt aber auch längere Varianten mit 8 oder 9 Löchern.

Bansuri

Unter Bansuris verstehen wir eine ganze Gruppen von Flöten-Varianten. Folgende Eigenschaften sind charakteristisch für eine Bansuri.

 

– querflötenartig: der Spieler bläst von der Seite rein, und zwar in ein Loch. Es gibt kein Mundstück.

– Erzeugung der Halb- oder sogar Vierteltöne durch nicht vollständig geschlossene Grifflöcher

– klingt überhaupt nicht europäisch

– 40 bis 75 cm lang

– 6 bis 7 Grifflöcher

– besteht aus Bambusrohr

 

Nach aktuellem Kenntnisstand wurden Querflöten in Indien häufig schon vor 3 000 Jahrenverwendet. Lord Krishna wird oft mit einer Bansuri dargestellt.

 

In Europa kann man die indischen Musikinstrumente im Internet bestellen. Sie kosten 70 bis 300 Euro. Achtung: Bamburis sind nicht nachstimmbar!

 

Die Flöten sind übrigens in Nepal weiter verbreitet als in Indien. Dort bestehen sie aber nicht aus Bambus.

Rasem

Wird in vielen Stämmen im Nordosten Indiens gebraucht. An einem kleinen Flaschenkürbis schließt ein Bambusrohr an, in das der Spieler hineinbläst. Daneben gibt es noch eine Reihe kürzerer Spielpfeifen.

 

Auch in den Nachbarländern von Indien, wie Thailand, China oder Kambodscha ist das Rasem bekannt.

Pepa

Das Pepa-Horn erzeugt Signaltöne. 

 

Als Material für die Pepa werden Hörner von Büffeln verwendet. Vor dem Aushöhlen weicht man es auf.

 

Vom Mundbereich bis zum anderen Ende hin wird die Pepa allmählich breiter.

Tiruchinnam

Ein Blechblasinstrument, das aussieht wie eine sehr primitive Trompete. Es besteht aus Messing.

 

Für viele Hindus ist der Tiruchinnam etwas heiliges, vor allem für Vishnuismus. Sein Klang ertönt den Tempeln.

 

Der Legende nach soll Vedanta Desikar von Lord Varadarajar eine Tiruchinnam geschenkt bekommen haben, da er dem Vishnuismus gute Dienste erwiesen hatte.

 

In manchen Tempeln ist als Instrument nur der Tiruchinnam erlaubt. In anderen Dörfern ist es jedoch oft nur ein gewöhnliches Instrument neben vielen.

Shahnai

Ein Inder spielt auf einer Shehnai.

Auch in der Schreibweise „Shehnai“ oder „Stenai“ bekannt. Viele würden sich beim Anblick an eine Oboe erinnern. Wobei das Shenai einfacher aufgebaut ist. Im Holzrohr sind typischerweise 7 Löcher eingearbeitet.

Pungi

Auch bekannt als „Schlangenbeschwörerflöte“. Die Beschwörer heißen ebenfalls Pungi. 

 

Es gibt verschiedene Arten von Pungis. Viele haben zwischen dem Mundstück und dem Rohr nur einen kleinen Flaschenkürbis. Der macht die Tonerzeugung aber auch ziemlich laut.

 

Viele der indischen Musikinstrumente haben zwei parallel nebeneinander verlaufende Rohre. Das eine hat Löcher; mit ihm kontrolliert der Spieler die Tonhöhe. Das andere Rohr dient als Bordun.

Nageswaram

Ein lautes Doppelrohrblattinstrument, auch bekannt als Nadaswaram oder Nathaswaram. Es ist in Südindien verbreitet, nämlich in der klassischen hinduistischen Karnatischen Musik.

 

Das Doppelrohr der Nageswaram hat in den Hindi-Dialekten jeweils sehr unterschiedliche Bezeichnungen. Man kann es auch abschrauben und ersetzen.

 

Man unterscheidet zwischen Spiel- und Hilfslöchern. Um die Tonart zu verändern, werden die Hilfslöcher ausgestopft.

 

Im Süden von Indien gilt das Instrument vielen als heilig. Dort kommt es in Tempelzeremonien zum Einsatz.

Indische Musikinstrumente mit Saiten

Esraj

Diese normalgroße Laute besitzt typischerweise 5 Spielseiten, circa 15 Resonanzsaiten. In Nordindien kommt sie in der Instrumentalmusik zum Einsatz.

 

Das Instrument wurde im 19. Jahrhundert erfunden, angeblich vom letzten Sikh Guru Gobind Singh (1866 – 1900).

 

Die Esraj überlebte nur wenige Jahrzehnte, bis sie niemand mehr spielte. Erst seit einigen Jahrzehnten gibt es wieder mehr Musiker, die die Esraj beherrschen.

 

Viele Spieler sitzen auf dem Boden, während sie die Esraj spielen. Das Instrument wird dann auf einem Stoffring abgestützt.

Dilruba

Eines von vielen indischen Musikinstrumenten, die Saiten besitzen. Der 6. Guru der Sikhs soll es erfunden haben.

 

Im Gegensatz zur Esra ist der Resonanzkörper der Dilruba spitzer, fast viereckig. Die Rückseite des Korpus ist oft kunstvoll verziert.

 

Wie bei der Gitarre sind die Saiten über Stimmwirbel stimmbar.

Rudra Veena

Der Körper dieses Instruments ist an zwei großen Kürbissen befestigt. Sie dienen als Resonatoren. Es ist ein Zupfinstrument ohne Resonanzsaiten.

 

Die Rudra Veena (oder auch Rudra Vina) tritt in der Dhrupad-Musik in Erscheinung. Dort unterstützt sie den Gesang.

 

Sie zählt zu den indischen Musikinstrumenten mit einer langen Geschichte. Während der Mongulzeit wurde sie in Tempeln gespielt. Nach der Unabhängigkeit hingegen interessierten sich nur noch wenige Menschen dafür. In jüngerer Zeit hat die Rudra Veena außerhalb Indiens Beachtung gefunden.

 

Manche glauben, die Rudra Vina soll sogar Pech und Unglück bringen. Der tiefe Klang des Instruments wird ebenfalls nicht gerade als einladend wahrgenommen.

Sarod

Ein relativ junges, nordindisches Instrument, erfunden im Jahre 1860. Besteht aus 25 Metallsaiten und einem kleinen Korpus. Der Spieler verwendet zum Anschlagen Plättchen aus einer Kokosnussschale. Der Steg der Sarod ist am Korpus sehr breit und wird zu den Stimmwirbeln hin dünner.

Musikbogen

Eine Bogenharfe mit 5-saitige Bogenharfe. Die indischen Musikinstrumente werden von indigenen Menschen in Zentralindien gespielt. Aus vergangenen Zeiten sind kaum mehr Modelle erhalten, doch werden fleißig welche nachgebau

Ektar

Auch bekannt als „Gopi Yantra“. Die Ektar besitzt kein Griffbrett und nur eine Saite.

Sursingar

Dieses Instrument fand im 19. Jahrhundert ein wenig Bedeutung. Als Korpus der Laute dient ein Kürbis. Die Saiten sind aus Metall und die Oberseite aus Holz.

 

Ähnliche Langhalslauten gab es schon vor 2 000 Jahren. Allerdings ist die Sursingar eine Weiterentwicklung der Rabab.

Weitere Varianten von indischen Musikinstrumenten

Ghungru

Zahlreiche kleine Metallteile, die als „Schellen“ bezeichnet werden. Sie sind auf einer Textilfläche angebracht, das mit Seilen an Armen und Beinen gebunden werden, zum Beispiel für Tänze.

 

Es werden um die 50 Schellen verwendet. Sie sind in einem geringen Abstand (10 x 5) nebeneinander angebracht. Tanzt ein Träger, schlagen sie aneinander und erzeugen so den Ton.

Morsing

Maultrommel aus Metall. Die Messing- oder Stahlinstrumente erzeugen mit ihrer Zunge einen metallischen Klang.

Shrutibox

Die Box besteht aus Holz. Der Ton wird durch die Druckluft des Blasebalgs erzeugt. Er besitzt dann eine konstante Hohe. Wobei auf der anderen Seite der Box die Tonhöhe durch Metall-Objekte geregelt werden.

 

Die Shrutibox dient zur Begleitung von indischen Gesängen. Auch in der Entspannungsmusik findet sie Verwendung oder in der Bildung.

Chimta (=Zange)

2 begnadete Chimta Spieler zeigen ihr Talent. Das letzte der indischen Musikinstrumente, die wir hier vorstellen.

Ist in Nordindien und in Pakistan verbreitet. Es handelt sich um eine lange, dünne Zange mit metallischen Rädchen. Diese Plättchen sind mit nagelähnlichen Objekten angebracht und sitzen locker. Sie sind manchmal auch goldfarben. Beim Bewegen der Chimta entsteht also ein Klang. Bei den indischen Musikinstrumenten zählt es zu den Rassel-Varianten.

 

Die Chimta findet in der Volksmusik und bei religiösen Veranstaltungen Verwendung.

 

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