Alles wichtige über das Nyckelharpa Instrument: Aufbau, Geschichte und Spielweise

Die Nyckelharpa ist ein Streichinstrument. Doch im Gegensatz zu anderen Saiteninstrumenten muss man beim Spielen die Saiten nicht mit den Fingern berühren. Die Tonhöhe wird am Steg nämlich per Tastendruck verändert. Das Instrument war in Schweden immer beliebter als in anderen Ländern und ist mehr als 500 Jahre alt. Seine Schwierigkeit können wir im Allgemeinen als eher leicht beurteilen, doch um es gut zu spielen, gehört schon ein wenig Übung dazu.

Vom Nyckelharpa Instrument gibt es schon recht viele Varianten.

So ist das Nyckelharpa Instrument aufgebaut

Im Gegensatz zu anderen Saiteninstrumenten hat es keinen typischen Steg. Stattdessen befindet sich dort ein Kasten, in dem die Tasten eingebaut sind. Von unten können diese während dem Spielen gedrückt werden.

 

Die Nyckelharpa besitzt 16 Saiten und noch mehr Tasten. Es werden allerdings nur 4 Saiten während dem Spielen verwendet. Bei den anderen handelt es sich nämlich nur um Resonanzsaiten.

 

Beim Drücken der Tasten werden die Saiten verkürzt, was ihre Tonhöhen verändert.

 

Die Stimmung des schwedischen Nyckelharpa Instruments ist A‘ – D‘ (C‘) – G – C.

Es gibt auch Modelle mit Oktavstimmung, typischerweise A – D – G – C.

Und die Sopranstimmung sieht folgendermaßen aus: EE‘ – A – D – G.

 

Es gibt noch weitere Arten der Instrumente, wobei es zu kompliziert wäre, deren Tonarten jeweils aufzuzeigen. Die Silverbasharpa wird ebenfalls in Schweden gespielt und besitzt eine mit Silber umwickelte, tiefe Darmsaite. Vermutlich ist sie ein Nachfolger der Kontrabasharpa. Die zweite Saite der Silverbasharpa üblicherweise auf C gestimmt. Es ist nicht möglich, die C- oder G-Saiten zu verändern.

 

Im Westen von Finnland, wo viele Schweden leben, ist außerdem die Esseharpa bekannt.

 

Es gibt sogar Nyckelharpas ohne Resonanzsaiten. Das ist der Fall bei der Vefsenharpa, deren Korpus zudem ein wenig nach innen gekrümmt ist.

Der Klang des Nyckelharpa Instruments

Wie klingt die Nyckelharpa? Diese Frau hört es sich gerade an.

Wer zur Nyckelharpa-Musik lauscht, wird ihren Klang als angenehm und vertraut wahrnehmen. Nordische Volksmusik klingt mit dem Instrument etwas kalt und fremd, aber auch heimelig. Natürlich hört sie die Musik auch ziemlich nach Geige an. Und trotz der Ähnlichkeit zu anderen Instrumenten klingt die Nyckelharpa recht charakteristisch. Vor allem, da sich Stücke für das Instruments von anderer klassischen Musik unterscheiden.

So lernst und spielst du das Nyckelharpa Instrument perfekt

Eine gute Nyckelharpa besitzt einen Riemen, mit dem man das Instrument um den Hals hängen kann. Bei horizontaler Lage liegen die Tasten logischerweise höher.

 

Der linke Arm muss locker sein, um mit den Fingern die Tasten zu bedienen. Idealerweise berühren bloß die Fingerspitzen die Tasten. Der Daumen fixiert quasi die Hand am Hals, damit die Spielfinger nicht abrutschen. Du spielst also mit vier Fingern.

 

Sicherlich zählt das Nyckelharpa Instrument zu den einfacheren Instrumenten. Oboe oder Geige ist viel schwieriger zu spielen, da man die Saiten auf dem Griffbrett drücken muss, und zwar millimetergenau. Am Anfang kann es allerdings eine Herausforderung darstellen, die Saiten mit dem Bogen anzustreichen.

 

Der Begriff „Nyckelharpa“ stammt aus Schweden. Nyckel wird wie das chemische Element ausgesprochen, heißt in der schwedischen Sprache aber so viel wie „Tasten“ oder sogar „Wickler“. Harpa heißt Harfe oder Geige. Wobei die Bezeichnung Harfe ein wenig irreführend ist, da das ja ein Zupfinstrument ist.

 

Die Nyckelharpa ähnelt einer großen Geige, genauso wie die Jazzgitarre. Ihr Resonanzkörper besitzt zwei F-Löcher.

 

Ist die Nyckelharpa auch ein gutes Instrument für (nordische) Märchen?

Wo kann ich das Nyckelharpa Instrument erlernen?

 

Das Nyckelharpa-Wochenende findet in Schnega im Osten von Niedersachsen statt. Wobei die Organisatoren Björn Kaidel und Johannes Mayr auch Süd- und Norddeutschland bereisen und dort schon ihre Wochenenden abgehalten haben. In Altenmünster und Balingen sind sie schon gewesen. Die Teilnahme am Kurs kostet weniger als 200 Euro.

 

Jule Bauer hat ein Buch namens „Nyckelharpa spielen“ herausgebracht, das laufend von ihr aktualisiert wird. Dort lernst du alles wichtige über das Instrument, zumal auch detaillierte Abbildungen in der Schrift enthalten sind. Jule Bauer selbst ist Expertin des Nyckelharpa Instruments und bringt interessierten Erwachsenen das Instrument bei.

 

Wo kann man sich weiterbilden?

 

Zum Beispiel an der Akademie Burg Fürsteneck. Weiterhin gibt es die Scuola di Musica Populare in Forlimpopoli, Italien. An beiden Instituten treffen sich Profis mit Leuten, die die Nyckelharpa gut beherrschen. Dennoch ist es dort für fortgeschrittene Musiker auch möglich, das Instrument zu erlernen. Doch Burg Fürsteneck und die Musikschule Forlimpopoli bieten es nicht an, Menschen die Nyckelharpa als Erstinstrument näherzubringen. Man benötigt schon etwas Erfahrung.

 

Anfängern wird zunächst einmal beigebracht, wie sie das Instrument halten und passend dazu die linke Hand sowie den Bogen. Wobei es natürlich auch wichtig ist, die Nyckelharpa korrekt zu pflegen. Man lernt auch einiges über die Geschichte des Instruments.

 

Insgesamt ist es nicht besonders wahrscheinlich, dass es in deiner Nähe einen Nyckelharpa-Kurs gibt, den du besuchen kannst. Dies macht es schwieriger, das Instrument zu erlernen als beispielsweise das Klavier oder die Gitarre. Autodidakten, die sich alles selber beibringen können, sind im Vorteil.

Alle Infos zum Kauf des Nyckelharpa Instruments

So kaufst du eine Nyckelharpa erfolgreich!

Der Preis einer Nyckelharpa kann variieren, wobei du für kleine Modelle mindestens ein paar hundert Euro hinlegen musst. Die meisten Modelle kosten 1000 bis 2000 US$.

 

Folgende Eigenschaften besitzt eine gute Nyckelharpa:

 

– Griffe aus Ebenholz, Palisander oder Elfenbein

– Tasten aus Nussbaum, Ahorn, Birke, Kirsche

 

Bei vielen Modellen lassen sich die Tasten entfernen beziehungsweise erweitern.

 

In vielen Shops kannst du dir weitere Streichinstrumente, wie Leiern, E-Gitarren oder Harfen besorgen.

Die Geschichte der Nyckelharpa

Welche Geschichte hat das Nyckelharpa Instrument? Gibt es das schon lange oder wurde es erst gestern erfunden?

Das Nyckelharpa Instrument hat eine lange Geschichte.

 

Tasteninstrumente mit Saiten gibt es seit dem 10. Jahrhundert. Beliebt war zu Beginn des 2. Jahrtausends die Solo-Drehleier. Die Drehleier versuchte man irgendwann, in ein Streichinstrument einzubauen. Diese Ereignisse fanden in Iberien oder Frankreich statt.

 

Wir wissen, dass die Nyckelharpa bereits im Spätmittelalter gebaut und verwendet wurde. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts war sie in Teilen Schwedens, Deutschlands und Italiens bekannt. Auch aus Dänemark und Österreich gibt es Zeugnisse.

 

An einer Kirche in Källunge ist ein Nyckelharpa Instrument auf einem Steinrelief abgebildet. Wobei damit wohl eher die Moraharpa gemeint gewesen sein soll. Zur Moraharpa kommen wir noch. Allgemein wird angenommen, dass die Abbildung 1350 entstanden sein soll. Auf dem Steinrelief sind mehrere Personen abgebildet, und zwei davon halten ein Streichinstrument mit Tasten.

Stein Relief in Källunge: Je 2 Personen spielen auf ihrem Nyckelharpa Instrument.

Eine weitere Abbildung von 1408 befindet sich in der Palazz Communale-Kapelle in Siena und wurde 1408 fertiggestellt. Die Harpa passt, nach allem was, wir wissen, tatsächlich in diese Zeit hinein. Auf der Abbildung können wir fünf Schlüssel und ein Kasten unter den Saiten erkennen.

Nyckelharpa-ähnliche Abbildungen ohne Schlüsselkasten finden wir an oder in weiteren skandinavischen Kirchen, wie in Tolfta, Emmislöw oder Rynkeby. Ein Gemälde finden wir in der Kirche von Tolfta in Tierp, Schweden. Der Engel, der sie spielt, hat ziemlich große, grüne Flügel.

Tolfta Nyckelharpa

Am Knochenhauer-Amtshaus in Hildesheim stehen vier Holzengel-Skulpturen. Einer der Engel spielt auf einem Nyckelharpa Instrument. Das Rathaus wurde 1529 fertiggestellt. Wann die Engel hineinkamen, wissen wir nicht, möglicherweise noch im selben Jahrhundert.

Der deutsche Musiktheoretiker Martin Agricola erwähnte die Nyckelharpa 1529 in seinem Werk „Musica instrumentalis deudsch“. Neben der Beschreibung des Instruments, das er als Schlüsselfidel identifiziert, zeichnete er ein Instrument mit Schlüsselkasten auf. Auch der deutsche Komponist und Kapellmeister Michael Praetorius listete es 1609 in „Syntagma Musicum II de Organographia“ auf. Auf der 22. Seite seiner Schrift sehen wir eine Abbildung mit einer Nyckelharpa, diversen Blasinstrumenten, einem Xylophon und Glocken.

In der Barockzeit bzw. in der frühen Neuzeit wurde die Nyckelharpa außerhalb Schwedens immer seltener gespielt.

 

In Schweden selbst fand sie jedoch weiterhin Verwendung. Ab etwa 1600 war sie in der schwedischen Volksmusik weitestgehend bekannt. Viele Spielleute beherrschten das Instrument. Ab 1800 kam das Instrument auch unter größerem Publikum in Konzerten zum Einsatz.

 

In der Neuzeit, ab dem 20. Jahrhundert, konnten sich wieder mehr Menschen für das Nyckelharpa Instrument begeistern. Noch immer ist das Instrument in Schweden am weitesten verbreitet, wird jedoch in vielen Teilen der Welt immer populärer.

 

Das Roots-Revival brachte in den 1960ern die Nyckelharpa wieder nach vorn, als Musiker begannen, sich für alte und vergessene Instrumente zu interessieren. Obwohl nordische Musik bei dieser Bewegung gar nicht im Vordergrund stand, sondern eher südeuropäische, afrikanische, aber auch finnische und deutsche.

 

Nun kann man bereits seit über 30 Jahren die Nyckelharpa an der Königlichen Musikhochschule Stockholm studieren.

 

Seit April 2020 findet der Welt-Nyckelharpa-Tag statt. Zuletzt ist dies am 28. April 2024 passiert, und zwar am Eric Sahlström Institut. Bei dieser feierlichen Veranstaltung können sich auch Musiker aus anderen Teilen der Welt über Video einschalten und ihre Erfahrung zum Nyckelharpa Instrument an Interessierte weitergeben.

Wichtige Nyckelharpa-Musiker und Pioniere

nyckelharpa_instrument

August Bohlin (1877 – 1949): Ein schwedischer Instrumentenbauer. Er ist der Erfinder der chromatischen, dreireihigen Nyckelharpa. Er veröffentlichte viel mit seinem Vater, der ebenfalls Nyckelharpa-Musiker war.

 

Eric Sahlström (1912 – 1986): Ein Spieler des Instruments aus Uppland. Die schwedische Volksmusik ist in seiner Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten, weshalb er in Venedig spielte. Wenige Jahre später bekam er für seine Bemühungen vom schwedischen König einen Preis und wurde Professor an der Königlichen Musikhochschule. Sahlström komponierte noch in seinen späteren Lebensjahren Volksmusik-Stücke und baute Instrumente. An seinem Grab steht eine Bronzestatue von ihm, wo er auf seinem Nyckelharpa Instrument spielt.

 

Marco Ambrosini: Ein italienischer Nyckelharpa-Musiker, der in Deutschland lebt. Er leitet das Studio Katharco – sound:creations. Er spielte Nyckelharpa in Mailand und in mehreren deutschen Philharmonien.

 

Ana Alcaide: Eine spanische Musikerin aus Toledo. Sie tritt in allen Teilen der Welt mit der Nyckelharpa auf. Doch vor allem versucht sie, ihren Heimatort Toledo mit dem Instrument zu verbinden. Die Nyckelharpa hat sie während ihres Biologiestudiums in Schweden kennengelernt.

 

Byss-Calle, eigentlich Carl Ersson Bössa (1783 – 1847) war ein berühmter Nyckelharpa-Spieler aus dem Uppland im Osten Schwedens. Er war eigentlich Börfischer und Binnenschiffer, da er nichts an seiner Musik verdiente. Leider wurde seine Genialität erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Byss-Calle wurde am 26. April geboren. Der Welt-Nyckelharpa-Tag findet immer an dem Sonntag statt, der dem 26. April am nächsten kommt. 2025 also am selben Tag – merke dir dieses Datum!

Die einfache Variante des Nyckelharpa Instruments: Die Moraharpa

Die Moraharpa ist eine ältere Form des Nyckelharpa Instruments.

In der schwedischen Gemeinde Mora befinden sich außerhalb der Innenstadt vier Häuser. Darin werden die Werke des Künstlers Andreas Zorn aufbewahrt. Und natürlich auch noch viele andere wertvolle Stücke, wie auch die Moraharpa. Auf der Rückseite des Instruments steht „1526“. Wobei allgemein angenommen wird, dass es eigentlich um 1680 von einem unbekannten Instrumentenbauer konstruiert worden ist.

 

Der Resonanzkörper ähnelt ein wenig einer Sanduhr. Wobei die Mitte der beiden „Kreise“ ziemlich breit dafür ist. Wie bei der Nyckelharpa befinden sich auf der Moraharpa die Tasten auf dem Steg. Es gibt zwei Bordunsaiten und eine Melodiesaite.

 

August Bohlin ist der Erfinder des heutigen Nyckelharpa Instruments, wie sie heutzutage konstruiert und gebaut wird. Doch in jüngerer Zeit gibt es Leute, die alte Modelle wieder nachbauen. Obwohl wir gar nicht wissen, ob es die überhaupt gab. Wie eben die Moraharpa, die wir nur von einem leicht beschädigten Engelsgemälde kennen.

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